EuroMold 2013 – Nachbericht

EuroMold 2013 Frankfurt

Auch wir haben uns auf den langen Weg nach Frankfurt gemacht um die diesjährige EuroMold zu besuchen.

Auf dieser Messe hat man so ziemlich alle namenhaften Hersteller aus der 3D Druckindustrie und aus dem 3D Scanbereich angetroffen und konnte interessante Innovationen kennenlernen, neue Kontakte knüpfen und natürlich eine Vielzahl an Geräten begutachten.
Die EuroMold Messe feierte dieses Jahr übrigens ihr 20 jähriges Bestehen.

Nicht nur Geschäftsbeziehungen lassen sich auf solch einer Messe knüpfen, man kann auch die teilweise extrem teure Hardware einmal genauer unter die Lupe nehmen. Wo sonst hat man die Möglichkeit einen eigenen 3D Bodyscan mit einem Artec Laser anfertigen zu lassen, oder einen ProJet 460 bei der Arbeit zuzusehen?

Abgesehen davon das das eigene Produkt der Hersteller natürlich immer das beste ist und die Konkurrenzprodukte überhaupt nichts taugen, lassen sich so durch die eigenen Recherchen auch beste Vergleichsergebnisse erzielen.
Produkte die man sonst nur über das Internet gesehen hat und sich zig Testberichte durchgelesen hat, lassen sich so perfekt unter die Lupe nehmen. Die ein oder andere Überraschung ist auch für uns bei rausgekommen.

Neben den wirklich interessanten Druckern aus der ProJet Serie von 3DSystems, haben wir uns dieses Jahr mehr auf die 3D Scanner gestürzt und konnten auch im Bereich der Druckmateralien (Filamente) einige interessante Neuigkeiten erfahren.

Der herkömmliche 3D Drucker mit dem üblichen Schmelzschichtverfahren ist schon fast zu einem Massenprodukt geworden. Man hat das Gefühl das jeder irgendwie auf den Zug aufspringen will und bekommt quasi an jeder Ecke einen 3D Drucker präsentiert, die sich aber von den Fähigkeiten nicht sonderlich viel unterscheiden. Hier wird sich schon in naher Zukunft die Spreu vom Weizen trennen.

Wie Tobias Redlin, Geschäftsführer der iGo3D GmbH schon richtig in seinem Vortrag erwähnte: Es wird sich sehr bald herauskristallisieren, welcher Hersteller auch noch in den weiteren Jahren im Rennen bleibt oder nicht. Es bringt dem Kunden leider nichts einen preiswerten Drucker zu kaufen, der von der Bedienung relativ kompliziert ist, oder bei auftretenden Fehlern der richtige Support fehlt. Viele Unternehmen werden leider genauso schnell verschwinden wie sie gekommen sind und der Kunde ärgert sich im Nachhinein über das ausgegebene Geld.

Allerdings waren die noch nicht so bekannten Druckverfahren mit Hilfe von Gipspulver (3DP) überaus interessant. Diese Drucker drucken die Objekte sogar mit bis zu 4 Millionen Farben aus.
Grad aktuell wird im TV und auf diversen Nachrichtenseiten von jungen Unternehmen berichtet, die ganze Menschen einscannen und in Farbe ausdrucken. Diese kleinen Statuen werden mit diesen 3P Druckern hergestellt und sind allein vom Anblick her schon recht imposant.

Wie man auf dem Bild erkennen kann gibt es bei den etwas besseren Druckern, wie hier den ProJet 460Plus, 2 Kammern. In der linken Kammer wird das Objekt gedruckt und in der rechten wird es nachbearbeitet. Das heißt das überschüssige Pulver mit Hochdruck und Pinseln entfernt. Dieses Druckverfahren einmal live zu sehen ist wirklich interessant.

Allerdings sind diese Art Drucker für den Heimgebrauch noch(!) uninteressant. Preislich geht es hier ab ca. 40.000€ los. Dann allerdings auch in Farbe.

Ein weiteres interessantes Thema auf der Messe waren die 3D Scanner. Hier schwören die Hersteller auch auf ganz unterschiedliche Technologien.
Eine relativ unbekannte Technik ist die des structured light, oder auch Streifenprojektion genannt. Hier werden statt eines Laser oder diversen Fotos einfach unterschiedliche (helle/dunkle) Streifen auf das Objekt projiziert und das so gewonnene Streifenmuster von einer Kamera aufgenommen. Diese Daten werden dann zur Software übertragen und so das Objekt in 3D dargestellt. Jetzt mal ganz vereinfacht beschrieben.

Der Clou an der Sache ist hier bei dem David Laserscanner, das das Kernstück die Software darstellt und weniger die nötige Hardware wie der Beamer und die Kamera. Das heißt, es ist genauso gut möglich seine eigene (schon vorhandene?) Hardware zu verwenden und professionelle Scans zu bekommen.
Allerdings wird ein Beamer benötigt der eine sehr hohe Lumenzahl mitbringt, da das Licht hier das A und O ist. Aber jeder gute Beamer für den Heimkinobereich besitzt diese Eigenschaften eh schon. Bei der Kamera sollte noch drauf geachtet werden das sie mit mindestens 60 Fps aufnehmen kann.

Ein ganz anderes System hat Artec 3D vorgestellt. Hier werden tragbare Handscanner verwendet die das zu scannende Objekt mit bis zu 16fps abfilmen und die Daten mittels Software auf dem Rechner zusammensetzt. Die Ergebnisse konnten sich wirklich sehen lassen, jedoch für die meisten Heimandwender eher uninteressant. Der Preis beläuft sich bei ca. 9000,-€, sollten noch farbige Texturen mit gescannt werden so liegt man bei ca. 13.000€. Im Vergleich zum DAVID Laserscanner für knappe 2000,-€ sind das schon Welten. Allerdings halt auch bei der Anwendung und den Ergebnissen.

Die mittels Pulverdruck erstellte Statuts wurde übrigens mit dem Artec 3D System eingescant:

Sehr interessant waren auch die teilweise völlig neuen Materialien, mit denen man in der Zukunft und teilweise auch jetzt schon drucken kann. Neben dem neuen WoodFill von colorFabb, das im direkten Vergleich zum Laywood von der Optik etwas besser abschneidet haben uns insbesondere die Filamente von InnoFil 3D gefallen, die erst kürzlich eine Partnerschaft mit iGo3D eingegangen sind.

InnoFil 3D kommt, wie sollte es auch anders sein, aus den Niederlanden und stellt hochwertige Premium Filamente her. Hauptaugenmerk gelten den Spezialfilamenten mit den unterschiedlichsten Eigenschaften, als da wären:

  • feuerfestes, nicht brennbares Filament
  • selbstleuchtendes Filament für ca. 2 Std.
  • elastisches Filament in 3 verschiedenen Stärken
  • elektrisch leitendes Filament
  • Lebensmittel echtes Filament
  • PET recyceltes Filament
  • …und ein wahnsinnig aufregendes Material, was leider noch in der Entwicklung ist

Ganz wichtig ist hier die Tatsache das die Filamente ein deutsches CE Zertifikat besitzen, was grad für die Herstellung von zum Beispiel Baby-Trinkflaschen oder Löffel immens wichtig ist.
Übrigens werden die Filamente in den üblichen 1.75mm, 3mm und auch Ultimaker 2 freundlichen 2.75mm Durchmesser verfügbar sein.

Auch auf dem Markt für Filamente kann man einen klaren Trend zu den Spezialfilamenten erkennen. Farbige Filamente gibt es schon zu genüge, der Markt für hochwertige spezielle Materialien ist jedoch noch recht dünn besiedelt. Hier kann man in den nächsten Monaten noch richtige Innovationen erleben.

Des weiteren gab es auf der EuroMold auch einige interessante Vorlesungen und Diskussionen, die unter anderem von den Zukunftsaussichten des 3D Drucks handelten. Allein mit diesen Vorlesungen hätte man gut und gerne den halben Tag verbringen können.

Insgesamt gesehen war die EuroMold 2013 in Frankfurt eine hochinteressante Messe, die auch dem Heimanwender zahlreiche interessante Stände und Produkte bot.

iGo3D

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