Der Ultimaker 3 ist erschienen


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Lange war es relativ ruhig um das niederländische Unternehmen Ultimaker.
Nach dem Release des Upgrade Ultimaker 2+ gab es eigentlich außer dem quasi immer ausverkauften Upgrade Kit für die „alten“ Ultimaker 2 Drucker, nichts neues.

 

 

Umso mehr freute man sich Anfang Oktober als Ultimaker erste Teaser eines neuen Druckers ins Netz gestreut hatte. Und eigentlich schon nach dem ersten Teaser Video durfte vielen klar sein, welches Hauptmerkmal der neue Ultimaker 3 besitzen wird: den langersehnten Dual Extruder.

Zu erkennen ist das natürlich an den sehr kurzen Einblendungen des fast vollständig umschließenden Stützmaterials aus PVA.

Am 18.10. hat dann Ultimaker auch endlich die Katze aus dem Sack gelassen und präsentierte den Ultimaker 3, der eigentlich bis auf das äußere Erscheinungsbild nicht mehr viel mit dem „alten“ Ultimaker 2 oder Ultimaker 2+ gemein hat.

Die wichtigsten Features zusammengefasst:

  • Dualextruder für PVA oder herkömmliches Filamant
  • Filamenterkennung dank NFC Chip (bislang nur Ultimaker eigenes Filament)
  • Erweiterte Ansteuerung über WiFi oder LAN (alternativ USB Drive)
  • Eingebaute Überwachungskamera
  • Auto-Leveling der Druckplatte
  • Austauschbare Print Cores

Praktisch gesehen ist natürlich der Dual Extruder für viele Interessierte die beste Neuerung, die das Erfolgsmodell Ultimaker erfahren konnte. Vorbei sind (theoretisch) die Zeiten, in denen es unschöne Stellen des weggebrochenen Supportmaterials gibt.

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Mit dem alternativen Supportmaterial aus PVA wird das Supportmaterial in Zukunft wasserlöslich gedruckt. Ultimaker hat auf seinem YouTube Channel ein extra Video bereitgestellt, welches die Verwendung des PVA verdeutlicht:

Natürlich lässt sich mit dem zweiten Extruder nicht nur Supportmaterial drucken, es ist mit dem Ultimaker 3 nun auch möglich zumindest zweifarbig zu drucken. Jedoch wurde der zweite Print Core (BB) ausschließlich für die Verwendung von PVA Supportmaterial entwickelt und darf nicht zum Druck von PLA Filament verwendet werden.

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Will man jetzt zweifarbige Modelle drucken muss davor noch ein zweiter Print Core (AA) gekauft werden, muss lediglich der im Lieferumfang enthaltene zweite AA Print Core eingesetzt werden.

Wie auch bei den Vorgänger Modellen kann quasi jedes Filament auf dem Markt verwendet werden, der Filamentdurchmesser ist bei 2.85mm geblieben (3mm Filament passt auch weiterhin).
Die Filamenthalterung vom Ultimaker 3 besitzt jedoch ein kleiner aber feines Detail: Einen NFC Chip. Dieser NFC Chip empfängt automatisch Daten vom Ultimaker eigenen Filament und stellt den Ultimaker Drucker gleichzeitig auf die notwendigen Einstellungen ein. Wie gesagt: Diese komfortable Lösung funktioniert bislang nur mit den Ultimaker eigenen Filamenten, die den Transmitter besitzen. Das klassische Horroszenario das der Ultimaker 3 also nur hauseigenes Filament verwenden kann, ist zum Glück nicht in Kraft getreten.

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Leider gab es bei dem Druckbett, also der Glasplatte auf der das spätere Objekt gedruckt wird, kein größeres Update. Sicher ist die Auto Leveling Funktion ein nützliches und schönes Update, allerdings muss im Vorfeld dennoch manuell mit einem Stück Papier der richtige Abstand der Nozzle zum Druckbett ermittelt werden. Alles weitere übernimmt dann aber wirklich die Auto Leveling Funktion und das lästige Nachjustieren mit Hilfe der Rändelschrauben entfällt.
Ich hätte mir jedoch gewünscht das anstelle der Glasplatte eine Dauerdruckplatte zum Einsatz kommt. Das ständige Einschmieren mit Klebstoff ist bei der ganzen Technik irgendwie nicht mehr zeitgemäß und vor allem nicht effektiv genug. Für unsere Ultimaker 2 Drucker verwende ich fast von Anfang an eine Dauerdruckplatte und bin restlos begeistert. Diese sind einfach zu montieren, sehr effektiv und halten eine gefühlte Ewigkeit.
Effektiver und einfacher lässt es sich dann sicherlich mit einer optionalen Dauerdruckplatte drucken.

Aber auch bei Haftungsproblemen hat der Ultimaker 3 etwas für den gestressten User: Eine integrierte Kamera, die den laufenden Druck überwacht. Aktuell läuft die Kamera nur mit dem hauseigenen Slicer Cura. Es wäre jedoch sehr, sehr wünschenswert das es zeitnah (am besten zum Release) eine Smartphone App gibt, von der sich der Druckvorgang überwachen und evtl. sogar der Drucker ausschalten lässt. Nur im Zusammenhang mit der lokalen Cura Software finde ich die Kameraüberwachung nicht sonderlich hilfreich.

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Vorbereitet für solch eine drahtlose Kameraüberwachung ist der Ultimaker 3 zum Glück schon. Die Zeiten in denen man sich den entsprechenden GCode erst auf die SD-Karte schreiben und diese dann in den Ultimaker stecken muss, sind dann vorbei. Zwar lassen sich weiterhin die Druckdaten lokal in den Drucker übertragen, dann jedoch nur auf einem USB-Stick und nicht mehr auf einer Speicherkarte. Komfortabler geschieht die Datenübertragung dann wohl doch über die eingebaute WiFi oder LAN Schnittstelle. Fraglich ist es für mich aktuell nur noch ob die GCode Daten in einen eingebauten Speicher des UM3 geladen werden, oder ob der UM3 die Druckdaten permanent vom entsprechenden Rechner empfängt. Letzteres wäre natürlich überhaupt nicht mehr zeitgemäß, da bei einer Verbindungsunterbrechung zum Rechner auch der jeweilige Druck abbrechen würde.

Zu guter Letzt gibt es auch bei den Nozzles, bzw. Druckköpfen eine gravierende Veränderung. Die Nozzles können wohl (so mein aktueller Stand) nicht einzeln ausgetauscht werden (wie z.B. bei dem Olsson Block). Stattdessen muss immer derjenige Print Core getauscht werden. Der komplette Tausch dieser Einheit hat natürlich einige Vor- und Nachteile. Nachteile bestehen ganz sicher darin, das mit dem Ultimaker 3 keine alternativen Düsen verwendet werden können. Egal ob man nun größere oder kleinere Durchmesser verwenden will, oder eine Nozzle aus einem anderen Material. Mit dem Ultimaker 3 ist das nicht mehr möglich und leider besteht die eingebaute Nozzle aus Messing.

Vorteil ist natürlich das auch das lästige Wechseln des Couplers entfällt, was teilweise auch schnell zu einem gebrochenen Temperaturfühler oder Heizstab führen kann. Nur leider liegen die Kosten bei solch einem Print Core bei 119,- EUR und ist somit arg teuer. Das Wechseln der Nozzle aus einem Ultimaker 2/2+ ist bedeutend preiswerter, selbst wenn noch ein Coupler dazu kommt und/oder Temperaturfühler/Heizdraht.

Im letzten Bild sind übrigens noch zwei bläulich schimmernde Öffnungen zu erkennen. In diesen Öffnungen wurden LEDs verbaut, die je nach Betriebszustand entsprechend leuchten.
Die LEDs wurden auch insgesamt etwas verbessert und sind jetzt vollfarbig. In einem Video ist zu erkennen das Drucker nach dem Druckvorgang entsprechend grün leuchten, wobei andere im typischen weiß/violett leuchten. Diese Farbgebung lässt sich (hoffentlich) individuell anpassen.

Was etwas untergegangen ist, ist leider das Volumen des Bauraums.
Konnten die bisherigen Utimaker 2/2+ noch Objekte mit maximal 223 X 223 X 205 Millimeter herstellen, liegt der Bauraum des Ultimaker 3 nur noch bei 215 X 215 X 200 Millimeter. Der Bauraum ist in den X/Y Achsen also um 8mm geschrumpft und in der Z Achse um 5mm. Wird dann noch mit einem Dualen Material (z.B. PLA/PVA) sind es dann nur noch 197 X 215 X 200 Millimeter, also nochmal um ganze 18mm reduziert. Und ehrlich gesagt sollte eigentlich jeder mit der dualen Funktion drucken um die Funktionsvielfalt des Ultimaker 3 richtig zu nutzen.

Entsprechend schade ist es das der Bauraum in so einem Maße bei der Verwendung eines Dual Materials geschrumpft ist.

Für Kunden die einen entsprechend größeren (höheren) Bauraum benötigen, ist der Ultimaker 3 auch in einer Extended Version zu haben und bietet die gleichen technischen Details und einen höheren Bauraum mit 300mm.

Beide Versionen Ultimaker 3 und Ultimaker 3 Extended sind (hoffentlich) ab November zu den folgenden Konditionen bei iGo3D erhältlich:

Alle wichtigen Daten hat Ultimaker in einer PDF zusammengefasst und kann hier eingesehen werden.

Fazit:

Ultimaker hat mit dem neuen Ultimaker 3 erstmals einen 3D-Drucker entwickelt, der hauptsächlich auf Unternehmen abzielt. Mit dem Preis von knapp 3.600,- EUR brutto für das Standard Modell wird sich wohl auch nur ein ganz geringer Anteil der Privatkunden angesprochen fühlen und vom neuen Ultimaker 3 etwas enttäuscht sein.
Rein optisch sieht das neue Modell zwar aus wie seine Vorgänger Ultimaker 2/2+, birgt jedoch viele sinnvolle Neuerungen wie die kompakte Print Core Einheit, dem Dual Extruder, das (halb)automatische Bed Leveling und ein verbessertes Mainboard. Etwas enttäuschend ist für mich jedoch der kleinere Bauraum.

Ob der Spagat vom UltiMAKER zum Business Drucker gelungen ist, mag ich vor einem eigenen Hands On noch nicht beurteilen.

iGo3D

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